Saludos de Esmoraca |
|
Esmoraca, am 20. Mai 2008
Liebe Leser meines Tagebuches!
Nachdem ich den Umzug von Llica nach Esmoraca gut bewältigt, bzw. überstanden habe, möchte ich mich wieder einmal melden.
Mitte April hatte ich in Llica schliesslich meine "sieben Sachen" und etwas mehr gepackt und war mit einem Lastwagen zunächst nach Tupiza gekommen. "Tröpfchenweise" ging es dann nach Esmoraca weiter.
Auch wenn mir Abschiednehmen eigentlich nicht so schwer fällt, es ist Teil unseres Lebens, war´s nach 15 Jahren Arbeit in Llica dann doch nicht so einfach. Schliesslich ging aber alles gut über die Bühne.
Am 27. April führte mich der Weihbischof von Potosí, Monseñor Ricardo Centellas, feierlich ins Amt des Pfarrers von Esmoraca ein. Und jetzt bin ich dabei, dass Pfarrhäuschen "bewohnbarer" zu machen. Klo und Dusche werden installiert. Ein Maurermeister aus Llica und der Ex-Katechet Noel sind am Werke, Gymnasiasten des nahe gelegenen Colegio helfen oft mit. Die Jugend füllt nach wie vor das Pfarrhaus
wie in Llica.
Inzwischen stehen auch der TV-Kanal 11, den ich aus Llica mitgebracht habe, sowie der Beam für den Amateurfunk. Letzterer ermöglichst mir, einfache Emails über Funk abzusetzen.
Da die Pfarrei "San Francisco de Asis" von Esmoraca zwar am Ende der Welt liegt, aber nicht sehr gross ist, helfe ich in der vakanten Nachbarpfarrei Talina mit. Diese war ein Jahr lang von einem falschen Geistlichen "geleitet" worden. Was es doch alles gibt. Allerdings habe ich nicht vor, dort auch noch der Pfarrer zu sein.
Das soll es gewesen sein. "Con saludos cordiales"
P. Dietmar.
Datum: 21.05.2008 01.32 Uhr
|
ESMORACA |
|
Llica, Ende November 2007
Liebe Freunde und Leser meines Web-Tagebuche
s,
ein Tagebuch lebt von Einträgen und da bin ich eben etwas schl
ampig, vielleicht hängt es aber auch mit der Arbeit zusammen. Wie dem
auch sei, heute melde ich mich wieder einmal.
In meinem Weihnachtsrundbri
ef habe ich schon "verkündet", dass ich mich nochmals verändern m
öchte, d.h., eine neue Pfarrei übernehmen möchte. Angebote g
ibt's dank des Priestermangels, den wir auch in Bolivien verspüren, ge
nug. Mir sagen entsprechend meinem Naturell Landpfarreien zu und so wurde i
ch denn auch im Süden der Diözese fündig, ESMORACA heisst di
e mögliche neue Pfarrei.
Da Esmoraca aber recht abgelegen an der
argentinischen Grenze liegt und auch keinen Vorgänger vor Ort hatte, k
ann man da nicht so einfach hinziehen. Das Pfarrhaus braucht zumindest ein
Klo und eine Dusche. Diese sanitären Einrichtungen möchte ich noc
h vor Weihnachten installieren, was aber vom Wetter abhängt. Wir stehe
n vor der Regenzeit, bis dass es schon zu regnen begonnen hat. Und wenn's '
mal feste regnet, wird der Salar schnell unpassierbar, ebenfalls fülle
n sich die Esmoraca umgebenden Flüsse mit Wasser und sind ebenfalls ni
cht passierbar. Bei uns ist eben vieles anders und schwieriger; nichts dest
o trotz ist die Arbeit abwechslungsreich und schön.
Einen Pfarreiwec
hsel erschwert, dass Llica zunächst keinen neuen Pfarrer vor Ort bekom
men, also von Uyuni mitverwaltet wird. Doch ist der Bischof wie ich der Mei
nung, dass in Llica über 10 Jahre das Angebot einer lebendigen Gemeind
e bestand, und wer wollte, davon profitiert hat. Und jetzt ist eben eine an
dere Gegend dran.
Im Vergleich zu Llica ist Esmoraca kleiner und weniger
entwickelt.
Seit Wochen bin ich damit beschäftigt, meinen bolivi
anischen Personalausweis sowie das Permanentvisum in den neuen Reisepass ei
ntragen zu lassen. Und dazu muss ich immer nach La Paz fahren. Dort rennt m
an dann von einer Polizeibehörde zur andern, um die nötigen Papie
rchen zusammenzubekommen. Dass Kirche nach der "demokratisch kulturellen Re
volution" in Bolivien nicht mehr so gefragt ist, macht sich dabei nicht so
bemerkbar.
Das soll es gewesen sein.
"Con saludos cordiales"
P. Dietmar.
Heute schon e
inen Blick in die Zukunft von E-Mails wagen? www.yahoo.de/mail
Datum: 22.11.2007 01.10 Uhr
|
Saludos de Llica |
|
Llica, am 4. Sonntag in der Osterzeit 2007
Liebe Leser meines WEB-TAGEBUCHES:
Heute soll nach längerem Schweigen, was weder die Folge von Krankheit
noch Entmutigung ist, wieder einmal ein aktueller Beitrag erscheinen.
Wenn man so an der "Front" steht, vergeht die Zeit eben schnell.
Weniger schnell war dafür meine im Hauptpostamt von La Paz aufgegebene
Osterpost nach Deutschland gewesen. Die Briefe brauchten teils bis zu 6
Wochen, und das, obwohl die Tarife für Sendungen nach Europa Anfang
März um 30% aufgeschlagen haben.
Für uns als Pfarrei ist's die letzte Zeit in unseren Höhen nicht
leichter geworden. Neben der politischen Grosswetterlage, die
christliches Leben und Denken nicht gerade fördert, führt der Waren- und
Drogenschmuggel als eine der "Wirtschaftsformen" der Gegend merklich zu
einer Verrohung vieler Menschen. So war es vor knapp einem Monat zu
einem schrecklichen Gewaltverbrechen gekommen. Zwei unter Drogen
stehende junge Männer, einer davon Junglehrer, hatten ein 10 jähriges
Mädchen vergewaltigt und dann brutal umgebracht. Sie waren von der
Bevölkerung nach der Bluttat geschnappt worden und sollten auf dem Platz
vor der Kirche zur Strafe verbrannt werden. Aus Uyuni angerückte Polizei
verhinderte das.
Vor knapp einer Woche wurde ein Ehepaar, was mit einem Kleinlaster zum
Gemüsemarkt nach Challapata fahren wollte, an der Salareinfahrt von drei
mit Kapuzen maskierten Männern überfallen und ihres Lasters entledigt.
Da bei uns der Polizeiposten meist nicht belegt ist, stellen die guten
Leutchen jetzt eben selber Nachforschungen an.
Nach vielen Jahren ehrenamtlichen Unterrichts an der
Lehrerausbildungsstätte "Franz Tamayo" bin ich mit diesem Semester nicht
mehr mit von der Partie. Dem ansonsten der Kirche wohlgesonnen
Generaldirektor steht's Wasser bis zum Halse, d.h., er wird in Kürze
wohl vom Amt suspendiert werden. Gravierende Fehler in der Verwaltung,
Korruption, sein Hang zum Suff sowie sein häufiges Reisen haben ihm den
Garaus gemacht. Dazu kommt, dass im Lehrerkollegium Intrigen sehr
beliebt sind, da der Fall des einen den Aufstieg des anderen mit sich
bringt. Sein "director académico", ein recht charakterloser Opportunist,
hat mit dem Lieben Gott wenig am Hut. Und die Studentengewerkschaft ist
entsprechend der neuen politischen Lage recht syndikalistisch
eingestellt. Sie liessen verlauten, dass ein Pfarrer für die
Lehrerausbildung eigentlich nicht von Nöten sei.
Das alles sind Entwicklungen, die eine Änderung, bzw. eine Anpassung der
pfarrlichen Pastoralplanung erfordern, bei mir aber keineswegs zur
Entmutigung führen. Jede Neuausrichtung bringt ja auch neue Chancen mit
sich. Man muss sich der Realität nur stellen und neue Wege suchen.
Eine meiner Erfahrungen nach mehr als 10 Jahren Wirken auf dem Hochland
Boliviens ist, dass die Lebensdauer vieler Projekte bei uns eben
begrenzt ist. Das liegt wohl auch am Charakter unserer einfachen Leute.
Sie lassen sich leicht umstimmen, bzw. manipulieren, und der Neid ist
ein nicht zu verharmlosender Faktor im gesellschaftlichen Leben.
Nach Ostern war ich auf der Pastoralversammlung der Zone Salar im 300 km
entfernten Yura, wo ein für Mitte Oktober in Uyuni geplanter
eucharistischer Kongress zur Planung anstand. Auf der Heimfahrt war dann
die Lichtmaschine durchgebrannt, bzw. der Riemen für den
Kühlerventilator gerissen, so dass die hohe Temperatur im Motor ein
Weiterfahren nicht ratsam sein liess. Statt in Richtung Llica zu fahren,
liessen wir den Wagen an der Wegkreuzung von Pelca stehen und wurden von
einem spanischen Kollegen mit ins 150 km entfernte Potosí genommen.
Besagter Kollege unterhält in Potosí eine Werkstatt, deren Mechaniker
uns dann die nötigen Ersatzteile einkauften. Am nächsten Tag wurden
diese eingebaut und wir kamen mit "nur" drei Tagen Verspätung
wohlbehalten nach Llica zurück.
Ansonsten hat bei uns der Herbst begonnen und im Morgengrauen wird es
schon empfindlich kalt.
"Con saludos cordiales" und noch eine FROHE OSTERZEIT
P. Dietmar Krämer
Datum: 29.04.2007 19.15 Uhr
|
Llica im Februar 2007 |
|
Llica, am 06. Februar 2007
Liebe Webtagebuchleser:
Nachdem ich das bei uns in vielen Dörfern gefeierte Fest "Mariä Lichtmess" gut überstanden habe, will ich nun wirklich wieder 'mal von mir hören lassen. Anfang Januar hatte der ersehnte Regen eingesetzt, doch endete die Regenzeit nach einer guten Woche zunächst mit einem heftigen Unwetter. Nach zwei Stunden Sintflutartigen Regenfällen schossen durch einige Gassen Llicas bis zu einem Meter hohe Fluten. Das Pfarrhaus liegt erfreulicherweise an einer Strasse, die nicht zu den "Kanälen" gehört. Da unsere Häuser alle ohne Keller sind, füllten sich nur die Erdgeschosse und Höfe. Größere Schäden gab es allerdings in Pella, wo wir unser "Landgut", also den Pfarracker haben. Dort rissen die Fluten Kanäle des Bewässerungssystems weg. Der Acker selber mit den Saubohnen blieb von Schäden verschont.
Am 18. Januar stand der lange geplante Wochenendausflug von "Bayern Munich" zu einem Sportturnier in der benachbarten chilenischen Stadt Pica an. Wegen der starken Regenfälle und vieler dadurch unpassierbar gewordener Strassen, zudem stand der Salar unter Regenwasser, war zunächst nicht klar, ob unsere jungen Sportler alle nach Llica kommen können. Schließlich bestand die Pfarrdelegation dann aber doch aus etwas mehr als 30 Mitgliedern, so dass es an besagtem Tag im Morgengrauen in einem Kleinbus sowie dem Pfarrauto in Richtung Grenze losgehen konnte.
Im Gegensatz zum Salar von Uyuni hatte der Salar von Coipasa noch wenig Wasser, so dass wir gut vorankamen, bis sich der Bus eben 'mal festfuhr. Mit dem Vierradantrieb des Pfarrtoyotas war er aber gleich aus dem Salzschlamm gezogen. Die Grenzabfertigung verlief auf beiden Seiten zügig, so dass wir dann am späten Abend wohlbehalten bei unseren Freunden in Pica ankamen. Der folgende Freitag war Badetag am Meeresstrand von Iquique, was am Pazifik liegt. Da wurde auch schon etwas gekickt, wobei die Hälfte des Spielfeldes eben im Meer lag. Samstag und Sonntag waren dann dem Sport gewidmet. Sonntag, versteht sich, erst nach dem Gottesdienst. Diesen hatte ich in der Pfarrkirche von Pica zusammen mit unseren Jugendlichen, die teils auch gute Musiker sind, übernommen. Der für Pica zuständige Pfarrer musste nicht vom 180 km entfernten Iquique kommen.
Ähnlich wie in Deutschland sind auch in Chile die Gottesdienstbesucher zumeist ältere Herrschaften, so fielen unsere Jugendliche angenehm auf. Versteht sich, dass "Bayern Munich" alle Spiele gewann und wir wieder einmal als Meister heimkehrten. Schön waren aber auch die vielseitigen Treffen mit chilenischen Jugendlichen. Mit zu unserer Delegation gehörten auch drei Seminaristen aus Potosí. Zwei davon hatten ihr praktisches Jahr in Llica absolviert, der dritte will dieses Jahr hier in Llica als Religionslehrer am Gymnasium arbeiten.
Seit der Rückkehr aus Chile hat es in Llica nicht mehr geregnet, so dass inzwischen auch der Salar von Uyuni abgetrocknet ist und ich wieder nach Uyuni zum Einkaufen fahren kann.
Nach Karneval enden die Schul- sowie Semesterferien in Bolivien, was in die Schulstadt Llica erneut Leben bringen wird. Trotz dem offiziellen Regierungsslogan: "wir sind auf dem Weg zum Sozialismus" und der vom Erziehungsministerium propagierten "religionsneutralen Schulausbildung", inzwischen hat der Minister aber gewechselt, hat mich der Direktor der Lehrerausbildungsstätte "Franz Tamayo" wiederum zum Ethikunterricht bei dem Anfangssemestern eingeladen. Ob der allerdings stattfinden kann, steht noch in den Sternen geschrieben. Direktion und Schülervertretung stehen zu Semesterbeginn vor einer offenen Auseinandersetzung.
Seit Tagen sind die Angestellte des Bürgermeisteramtes am Streiken, da sie seit Monaten ohne Bezahlung dastehen. Das marode Bürgermeisteramt mit drei "Amtsinhabern" sitzt eben auf eingefrorenen Konten. Licht- und Wasserversorgung sind zusammengebrochen. Ich hole das Wasser fürs Pfarrhaus derzeit aus dem 10 km entfernten Pella, wo wir unseren Acker haben.
Padre Dietmar Krämer
mehr ...
Datum: 06.02.2007 21.58 Uhr
|
Handy in Llica |
|
Liebe Leser,
heute 'mal 'was zum Schmunzeln ... ähnlich wie in Deutschland vermehren sich auch bei uns in der 3. Welt die sogenannten Handys. Nur sind in Bolivien die weissen Flecken grösser, wo eben noch kein Handyempfang möglich ist. Und dazu gehört auch Llica. Schon lange hatte ich aber gehört, dass ungefähr 20 km von Llica entfernt ein Sender einfiele. Und so fuhr ich heute Morgen mit einigen Jugendlichen und meinem "Celular" in Richtung chilenischer Grenze los, um der Wahrheit auf den Grund zu gehen. Und in der Tat, an den Ufern des Salares von Coipasa, mitten in der Pampa, zeigte mein Handy auf einmal Empfang an. Der Sender steht etwa 30 km entfernt auf einem Berg an der Verkehrsstrasse Oruro - Pisiga. Ich telefonierte dann etwas mit meinem ehemaligen Religionslehrer Raúl in Uyuni.
Soviel dazu. Ansonsten scheint bei uns die Regenzeit begonnen zu haben. Seit Tagen regnet es. Entsprechend füllt sich der Salar von Uyuni von den nahen Bergen her mit Regenwasser und ist nur noch für grössere Gefährte befahrbar.
Bei meiner letzten Einkaufsfahrt nach Uyuni lernte ich dort auch den neuen Seminaristen für Llica kennen. Die "frommen Jungs" müssen sich neuerdings selber den Arbeitsplatz fürs Jahrespraktikum suchen. Früher hatte dies die Direktion getan. Jorge Torrico heisst er und kommt aus der Stadt Potosí.
Con saludos cordiales
P. Dietmar.
Datum: 07.01.2007 22.34 Uhr
|
GESEGNETES NEUES JAHR |
|
Liebe Leser meines Web-Tagebuches:
Zum Beginn des NEUES JAHRES will ich wieder einmal von mir hören lassen, nach langer Zeit. Von Mitte September bis Mitte Dezember 06 war ich auf Heimaturlaub in Deutschland gewesen, wo ich ja auch einige von euch getroffen hatte. Es waren schöne Wochen.
Kurz vor Weihnachten kehrte ich dann nach Llica zurück, wo mich besonders die Kinder sehnsüchtig erwartet hatten. Ohne den Padrecito hätte es am Hl. Abend nämlich keine heisse Schokolade mit Pfannekuchen gegeben. Und dazu waren schliesslich an die 200 Kleinen am Spätnachmittag zur Kirche gekommen.
Ansonsten hatte es in den drei Monaten meiner Abwesenheit aber nicht viel Neues gegeben. Das Bürgermeisteramt befindet sich wegen der untereinander zerstrittenen Stadträte immer noch in einem desolaten Zustand. Lediglich die Strom- und Wasserversorgung funktionieren. Ein nicht viel anderes Erscheinungsbild hinterlässt inzwischen auch die pädagogische Fachhochschule "Franz Tamayo" mit seinen 800 Schülern. Die Schülervertretung, also "federación", liegt im Dauerclinch mit der "korrupten" Direktion. Und nachdem das Erziehungsministerium von der Universität in Potosí wieder die Verwaltung der Schule übernommen hat, waren gleich 'mal alle Lehrer entlassen worden, bzw. müssen sich neu bewerben. Das beruhigte die eh schon angespannte Lage natürlich auch nicht. Immerhin hat der von der Deutschen Botschaft in La Paz finanzierte Kindergarten auf dem Gelände der INS FT, so der Kürzel der Lehrerausbildungsstätte, Gestalt angenommen. Dass ich dort weiterhin ehrenamtlich das Fach Ethik u!
nterrichten werde, ist recht unwahrscheinlich geworden. Es passt zudem nicht in den Lehrplan einer "educación laica".
Die politische Lage in Bolivien ist weiterhin ungewiss. Mit einer "Diktatur der Massen", also hörig gemachter Campesinos, versucht die seit einem Jahr im Amte befindliche Linksregierung eine neue Verfassung durchzubekommen. Die "bürgerliche" Opposition hat kaum noch Einfluss. Gemässigte Departamentos wie Beni, Santa Cruz, Tarija und Pando versuchen mit Autonomiebestrebungen der Entwicklung gegenzusteuern.
Zum Schluss noch zum Wetter. Es ist auf knapp 4000 m Höhe angenehm warm geworden und die Regenzeit scheint vor der Türe zu stehen. Noch ist der Salar aber trocken und so gut befahrbar.
Euch allen wünsche ich ein GESEGNETES NEUES JAHR 2007, vor allem bei guter Gesundheit.
Mit herzlichen Grüssen
P. Dietmar Krämer.
Datum: 31.12.2006 20.24 Uhr
|
Heimaturlaub |
|
Liebe Leser meines Tagebuches,
vor einer Woche bin ich gut in Deutschland angekommen,
über Lima und Caracas. Die peruanische Linie TACA
hatte mich gut von La Paz nach Caracas gebracht und
von dort war es mit Lufthansa weitergegangen. Ich war
angenehm überrascht von der Pünktlichkeit von TACA.
Inzwischen habe ich mein "Hauptquartier" im schönen
Sasbachwalden im Schwarzwald aufgeschlagen. Unter der
Handy-Nummer: 0174 48 17 620 bin ich normalerweise zu
erreichen.
Während meines "Arbeitsurlaubes" in der Heimat halten
in Llica mein Katechet Noel Apala und der Seminarist
Luis Alberto die Stellung. Die Lehrerin Jenny aus
Uyuni vertritt mich im Fach "Ethik und Moral" an der
pädagogischen Fachhochschule "Franz Tamayo".
Noel, meine rechte Hand, ist auch damit beschäftigt,
das Kirchendach auszubessern sowie die Pfarrkirche
draussen und drinnen zu streichen. Ebenfalls säht er
auf dem Pfarracker im nahen Pella "haba", eine Art
Saubohnen, sowie pflanzt Stecklinge von Zwiebeln und
Knoblauch.
Trotz meiner Abwesenheit ist die Pfarrgemeinde also
voller Leben und Aktivitäten.
Mit herzlichen Grüssen
Padre Dietmar.
___________________________________________________________
Telefonate ohne weitere Kosten vom PC zum PC: http://messenger.yahoo.de
Datum: 27.09.2006 20.50 Uhr
|
Tata Santiago |
|
Liebe Leser meines WEB-TAGEBUCHES!
Nachdem wegen der "FUNKSTILLE" der letzten Wochen einige "Beschwerden" eingetroffen sind, möchte ich nach dem Fest des Hl. Jakobus, der hier liebevoll "Tata Santiago" genannt wird, wieder 'mal von mir hören lassen. Das Jakobusfest ist eines der Pfarrfeste.
Die Beteiligung am Festgottesdienst war allerdings recht spärlich und so auch ein "reflejo" der aktuellen Situation, die Llica derzeit "durchlebt." Das Bürgermeisteramt ist seit Monaten wegen interner Streitigkeiten geschlossen. Es werden nur noch die Wasser- und Stromversorgung aufrecht erhalten. Und an der pädagogischen Fachhochschule "Franz Tamayo", dem "Juwel" Llicas, sieht es auch nicht viel besser aus. Die geplante, sich aber dauernd verzögernde Übernahme des Institutes durch das Erziehungsministerium sowie Führungsschwäche in der Direktorenetage haben das Niveau der Schule sinken lassen. Der Bau eines von der Deutschen Botschaft dort finanzierten Kindergartens für Studentenkinder wurde wegen des extrem kalten Winters verschoben. Vor einigen Wochen wurde auch wegen "Misswirtschaft" die Studentenvertretung "gekippt".
Seit Mai läuft das Sportturnier der Provinz, an dem die Pfarrei unter BAYERN MUNICH teilnimmt. Versteht sich, dass wir fast in allen Disziplinen in die Endspiele kommen werden. Sportfreunde finden weitere Info unter der entsprechenden Rubrik.
Nach den USA und den Multinationalen kam kürzlich nun auch die Kirche ins Kreuzfeuer der "revolutionären" Kritik. Der Erziehungsminister, ein junger Soziologe, nannte die Bischöfe Lügner und Evo, der Präsident der Republik, beklagte die "inquisitorischen" Attitüden einiger Kirchenfürsten. Auslöser des Schlagabtausches war der Religionsunterricht an öffentlichen Schulen, ein ungerechtes "Machtmonopol" der katholischen Kirche, so auch die Meinung einiger auf einem pädagogischen Kongress in Sucre. Inzwischen haben sich die Wogen der Verstimmung zwischen Staat und Kirche nach einem Treffen des Präsidenten mit dem Kardinal Terrazas wieder geglättet. Das auf veralteten Vorstellungen basierende Verhältnis von Staat und Kirche in Bolivien muss in der neuen Verfassung unbestreitbar korrigiert werden, doch macht dabei eben der Ton die Musik. Und Bolivien hat, denke ich, gewichtigere Probleme zu lösen als die Frage eines "estado laico".
Das Funktionieren der Post hat sich im Wesentlichen noch nicht verbessert. Von Deutschland kommen kaum Briefe durch, und umgekehrt brauchen die Briefe Wochen.
Ja, und ein "bissle" freue ich mich natürlich auch schon auf meinen Heimaturlaub, der Mitte September ansteht.
Das soll es gewesen sein.
Con saludos cordiales
P. Dietmar.
Datum: 01.08.2006 21.35 Uhr
|
!!!ACHTUNG BRIEFE!!! |
|
Llica, am 05. Mai 2006
Mit dem Quasi-Zusammenbruch der bolivianischen Luftlinie LAB, die die von Frankfurt nach Lima/Perú gebrachte Post immer nach La Paz weiterbefördert hatte, klappt schon wochenlang die Briefbeförderung nicht mehr. Seit Anfang Februar 2006 bis jetzt habe ich nur 2 ganze Briefe in meinem Postfach in Uyuni vorgefunden. Es besteht die Vermutung ( bis Gewissheit), dass Postsäcke, die jetzt auf dem Landwege von Lima nach La Paz gebracht werden, unterwegs geöffnet und Briefe mit nicht spanisch klingenden Namen auf Geld untersucht, bzw. dann weggeschmissen werden. Interessant ist, dass hingegen Zeitungen sowie Zeitschriften ankommen, auch wenn mit Verspätung.
Der Briefverkehr von Bolivien nach Frankfurt läuft hingegen über Brasilien und scheint sicherer zu sein.
Dass als HINWEIS an alle meine Freunde in der Heimat, die sich darüber wundern mögen, dass sie auf einen ihrer Briefe nie eine Antwort erhalten haben.
Email ist in der gegenwärtigen Situation sicherer. In Llica lese ich täglich die Adresse: CP4PG@WINLINK.ORG per Amateurfunk aus und sofern das Internet im Städtchen funktioniert auch DIETKRAM@YAHOO.DE
P. Dietmar Krämer
Datum: 06.05.2006 01.21 Uhr
|
Der Präsident und das Hornberger Schiessen |
|
Llica, am 01. Mai 2006
Liebe Leser des Web-Tagebuches,
Derweil es bei Ihnen Frühling ist, wird es bei uns kalt, der Herbst hat Einzug gehalten.
Vergangene Woche hatte in Llica die "IV EXPO -LIPEZ INTERNACIONAL en AGROPECUARIA Y MICROEMPRESARIAL" stattgefunden. Aus Geldmangel und wegen gesperrter Konten des Bürgermeisteramtes war die "Landwirtschaftsausstellung" auf 2 Tage zusammengestrichen worden. Die "gesperrten Konton" hängen damit zusammen, dass der fünfköpfige Stadtrat nicht in der Lage ist, sich auf einen gemeinsamen Bürgermeister zu einigen.
Am Freitag war dann ganz Llica auf den Beinen, um den angekündigten Präsidenten Evo Morales mit einigen Ministern willkommen zu heissen. Für 10:00 Uhr war sein Kommen angekündigt worden. Als er bis Mittag noch nicht da war, fand man sich mit dem ab, was das Fernsehen am Vortag ja bereits verkündet hatte: Evo wird am Freitagmorgen zu seinem Freund Fidel Castro nach Kuba fliegen. Dort soll sich zum Stelldichein dann auch noch Hugo Chávez, der Präsident von Venezuela, einfinden. Gemeinsam standen ein Wirtschaftsabkommen sowie die Schaffung einer "sozialistischen Phalanx" in Südamerika auf dem Programm.
Wie dem auch sei, mich traf seine Abwesenheit nicht sehr, da ich selber noch in La Paz weilte. Dort hatte ich zusammen mit Vertretern unserer pädagogischen Fachhochschule "Franz Tamayo" bei der Deutschen Botschaft einen Projektvertrag zum Bau eines Kindergartens auf dem Gelände der Normal in Llica unterzeichnet. Die Botschaft kooperiert mit 8.000 Euro, was das Volumen des Handels zwischen Bolivien und Kuba schon übersteigt. Dies liege nach einem Bericht der Tageszeitung "La Razón" etwas über 5.000 US Dolar ... jährlich.
Heute zum "Tag der Arbeit" hat der Präsident per Dekret die Erdgas- und Erdölvorkommen Boliviens verstaatlicht. 82% der Erträge gehören ab sofort dem Staate, 18% den jeweiligen Fördergesellschaften. Betroffen sind hauptsächlich Petrobras aus Brasilien und Firmen aus Spanien. Gesellschaften aus Italien, Frankreich und England mischen aber auch noch mit. Die Multinationalen haben nun 3 Monate Zeit, neue Verträge auszuhandeln oder das Land zu verlassen. Doch wird bekanntlich nichts so heiss gegessen wie gekocht.
Kürzlich äusserte sich zum ersten Male kritisch die Bolivianische Bischofskonferenz zu bestimmten Praktiken der Regierungspartei MAS. Unbestritten ist, dass in der neuen Verfassung der bolivianische Staat laizistischer sein und Religion mehr zur Privatsache wird. Das ist in Europa aber schon Alltag. Als Pfarrer halte ich mich eh aus der Tagespolitik raus. Neutralität ist auch Prinzip meiner Mitarbeit in unserer pädagogischen Fachhochschule "Franz Tamayo". Von meinen Studenten ist die Mehrzahl bzgl. der Religion "indifferent", ein kleiner Teil ist "aktiv" katholisch oder gehört einer der zahlreichen evangelischen kirchlichen Gruppen an. In meinen 8 Jahren Mitarbeit in der Normal hatte ich noch nie Probleme wegen der Lebensphilosophie meiner Studenten.
Seit Wochen habe ich keinen Brief mehr aus Deutschland erhalten. Das soll mit dem Zusammenbruch der bolivianischen Luftlinie LAB zusammenhängen.
Soviel für den Augenblick. Mit herzlichen Grüssen
P. Dietmar Krämer
Datum: 02.05.2006 20.53 Uhr
|
| |
| Seite:
[1]
2
|
|